Résumée

Hier wollen wir noch – ohne besondere Ordnung – ein paar Gedanken zusammenfassen, die uns im Rückblick auf diese Reise wichtig sind:

Allgemeines:

Äthiopien ist ein wunderbares Land, freundliche Menschen, außerhalb der großen Städte noch total landwirtschaftlich geprägt. Man sieht Bilder, seit Jahrtausenden unverändert: überall Menschen beim Dreschen und Pflügen mit Ochsen oder Maultieren, abends kleine Viehherden aus einigen Buckelrindern, Ziegen, Schafen, Esel oder Muli, von einem Mann und ein paar Kindern heimgeleitet, aus den Tukuls (Rundhütten mit Reet-Dach) steigt Rauch auf, Pferdekarren auf den Straßen. Der archaische Verkehr zwingt die Fahrzeuge jedes Mal zum Abbremsen und macht das Fahren in der Dämmerung zum Risiko, wenn unbeleuchtete Viehherden die Straßen queren. Und die Menschen winken noch jedem Auto zu, nicht nur den Touristen-Bussen. Die zwischenmenschliche Stimmung ist vorherrschend freundlich, mitmenschlich, heiter, gelassen. In der Umgebung von Kirchen sieht man zwar auch Menschen von unglaublicher Armut, zum Teil krank oder behindert, die dort um Almosen bitten. Aber der Gesamteindruck, den wir auf der Reise gewonnen haben, war nicht der von großer Armut, sondern von hartem, aber auskömmlichem Leben. Darin unterscheidet sich eine Reise in Äthiopien von einer Reise in Indien, wo man immer wieder auf bitteres Elend stößt.

Die uralten Kirchen aus dem 13.Jahrhundert, aus dem Fels gehauen – was haben die sich dabei gedacht? Unglaublich! Die Religion ist ein orthodoxes Christentum, die Könige führten sich auf Salomo zurück, Äthiopien wurde schon im 4. Jhdt christianisiert. Es gibt auch Moslems im Osten, und das Zusammenleben funktioniert friedlich. Äthiopien ist nicht im eigentlichen Sinne Schwarz-Afrika, die Menschen sind dunkel, aber von anderem Gesichts-Schnitt, schön, edel und stolze Haltung.

Die Gegend, die wir bereisten, ist nur ein Drittel von ganz Äthiopien, wir waren im sogenannten Hochland im Norden, die Gegend ist fast überall über 2.000 Meter hoch und steigt im Semien-Gebirge bis auf 4.500 Meter an. Das Land ist touristisch noch nicht allzu sehr erschlossen, es gibt Touristen-Hotels, aber der Service funktioniert noch nicht auf internationalem Niveau. Und es sind keine Touristen-Massen. Auch wenn wir abends in den Hotels Deutsche, Holländer, Franzosen, Schweizer, Skandinavier hörten, waren wir doch meist fast alleine in den Kirchen, in den Semien-Mountains gab es auf den Zeltplätzen noch ein Dutzend weitere Zelte, aber keinen Massen-Andrang. Leider sind die Fahrtstrecken zwischen den Sehenswürdigkeiten sehr lang, die Straßen sind nicht so gut, teilweise noch Pisten, und oft sind wir erst in der Dämmerung in unserer Unterkunft angekommen, außer Duschen und Abendessen war daher leider keine Zeit, um die teilweise schön gelegenen Lodges zu nutzen und mal noch ne Stunde auf der Terrasse zu entspannen, auch für unabhängige Stadtbummel war zu wenig Zeit.

Was bei uns immer wieder zu Diskussionen und Verstimmungen führte, waren die verordneten Begleiter, an jeder Kirche gab es noch einen lokalen Führer, der meist nur wenig wissenswertes in schlechtem Englisch von sich gab, aber die Hand aufhielt. Es gab Richtwerte für Trinkgelder, die uns eigentlich immer als zu hoch erschienen, in Lalibela erwartete der Schuh-Aufpasser (vor den Kirchen muss man die Schuhe ausziehen) 300 Birr, das sind 12 €, von uns Vieren gemeinsam, das bekam sonst nicht mal ein Fahrer pro Tag. Nein, das war auch kein Mißverständnis, sondern wurde uns damit erklärt damit, dass dieser Mann nur einmal pro Woche einen Job hat.
Und in den Semien-Bergen hatten wir nicht nur einen lokalen Führer, sondern auch noch einen Ranger, der uns mit dem Gewehr hinterherlief, um für Sicherheit zu sorgen (dabei fühlten wir uns zu keiner Zeit von irgendetwas bedroht). Dazu begleiteten uns auf dem Trek 5 Maultiertreiber, Koch und Küchenjunge. Allerdings war der Koch besser als jeder Hotel-Koch, wir bekamen abends nach der Suppe noch mindestens 5 verschiedene Gerichte, würzige Gemüse-Variationen, Nudeln, Pommes frites, alles köstlich, und einmal sogar gebackene Bananen.

Zum Trekking:

Die Berge erreichen zwar bis zu 4.500 Meter Höhe, es gibt aber keinen Schnee (vielleicht mal ein paar Flocken, etwas Graupeln oder Rauhreif, aber keine schneebedeckten Berge oder Gletscher). Dadurch ist der Eindruck ein ganz anderer als beim Trekking im Himalaya, wo man immer ein paar ganz hohe schneebedeckte Berge sieht. Das Spezielle sind die Felsabbruch-Kanten in den Semien-Bergen, im Norden in der Tigray-Region die Monument-Valley ähnlichen Formationen, die Lobelien, Riesen-Erika und die Gelada-Affen.

Wir haben es diesmal genossen, kein 3-Wochen-Trekking zu machen, sondern 2 mal jeweils 4 Tage mit dem Zelt in den Bergen unterwegs zu sein, und dann wieder im Hotel ein gutes Bett und eine Dusche zu haben.

Zum Schluss noch ein paar Informationsquellen:

  • Horizont Tours in Berlin hat für uns die Reise organisiert. Auf Basis einer klassischen Rundreise wurden – vor allem in intensivem eMail-Verkehr durch unsere bayerischen Freunde – die Wünsche unserer kleinen Gruppe eingeplant. Herr Sayed hat hierbei viel Geduld gezeigt 🙂
  • Die Agentur vor Ort war Kompas Ethiopia Travel PLC.
  • Unser Führer war Herr Addisu Engida Legesse, kurz Addis. Er ist selbständiger Reiseführer, spricht hervorragend Englisch, war permanent darum bemüht, auf unsere Wünsche und Ideen einzugehen. Er war uns nicht nur ein guter Führer, sondern ein reizender, humorvoller Begleiter und eine unerschöpfliche Quelle des Wissens über Kultur, Natur, Geschichte – er liebt sein Land von Herzen.
  • Zur Reisevorbereitung haben wir den Führer von Heiko Hooge aus dem Iwanowski-Verlags benutzt. Darin ist auch eine Karte im Maßstab 1:1,9 Mio.
  • Für die Vorbereitung auf das Trekking in den Semienbergen haben wir eine Karte der Universität Bern im Maßstab 1:100000 bei MapFox.de gekauft.

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