Lalibela: Trekking zum Mount Abune Yosef

Dann geht’s los zu unserem ersten Trekking, vor dem Hotel wartet “unser” Maultier, dem wir unsere Rucksäcke anhängen, es begleitet uns für den Fall, dass einer von uns nicht mehr laufen kann. Der Rest der Mannschaft mit unserem Gepäck, Zelten und Küche ist separat unterwegs. Wir starten direkt vom Hotel aus, gleich geht’s bergauf, mit uns auch andere Touristen auf Tagesausflug, manche reiten auf Maultieren. Nach 2 Stunden angenehmer Wanderung erreichen wir ein Felsband und zuletzt geht’s einige in den Fels geschlagene Stufen hinauf zur nächsten Felsenkirche, Asheton Maryam. Der Priester zeigt die alten Kreuze der Kirche, er hält perfekt ruhig zum fotografieren und bekommt natürlich seine Spende.

2014 - Äthiopien 13 - Trekkingbeginn bis Kirche Asheton Maryam

Nun trennt uns unser Weiterweg von den anderen Touristen, die nur die Kirche besuchten, wir steigen weiter durch landwirtschaftliche Gegend und Tukul-Dörfer bergauf. Es geht immer spektakulärer an Felswänden entlang, schließlich auf einer aufgemauerten Treppe hinauf (nur unser Maultier mag die Stufen zwischendrin nicht, es wird gezogen und geschoben, aber nicht geschlagen).

In der Mittagspause beobachten wir die erste Herde von Gelada-Affen. Dann stehen wir oben, auf beiden Seiten spektakuläre Abgründe, oben landwirtschaftliche Hochfläche. Fotopause, dann gemächlich weiter, bis wir noch einen weiteren steilen Anstieg haben. Leider auf sehr grob-steinigem Weg, anstrengend für die Knöchel. Endlich erreichen wir ein paar Tukuls, wo auch unsere Zelte stehen und in einer Hütte unsere Mannschaft schon am Kochen ist, wir bekommen Tee und Kekse und beziehen die Zelte. Heute sind wir 1.400 Höhenmeter aufgestiegen, das Lager liegt auf 3.600 Meter. Die Dorfjugend umringt unsere Zelte, nichts bleibt unbeobachtet, und der Toilettengang wird schwierig…. Unser Abendessen wird im Freien serviert, es ist sehr kalt und windig, während wir tagsüber noch in T-Shirts unterwegs waren. Durchgefroren, da half auch Suppe und Tee nicht, schlottern wir uns in den Schlafsäcken im Zelt warm, aber wir schlafen alle schlecht.

2014 - Äthiopien 14 - erster Trekkingtag bei Lalibela

Dafür ist der Morgen wunderbar, sobald die Sonne erscheint wird es warm, die heutige Etappe ist eher ein Spaziergang, zuerst durch die Dörfer, zuschauen beim Ernten und Dreschen, noch ein paar Tukuls fotografieren, Bleistifte an Kinder verteilen, dann entlang der Felskante, spektakuläre Tiefblicke, aber schon mittags steigen Wolken auf und hüllen unseren Zielberg in dichten Nebel, es macht keinen Sinn, dorthin zu gehen. Unzufrieden wandern wir direkt zu unserem nächsten Camp, auf dieser Bergseite sieht man noch ein bisschen was unter den Wolken, aber Mt. Abune Yosef bleibt versteckt. Immerhin bekommen wir heute ein Tukul angeboten zum Übernachten, was wir gerne annehmen, etwas mehr Platz als in den winzigen Zelten und ein festes Dach über dem Kopf, falls es zum Regnen kommt. Und auch das Abendessen findet im Küchen-Tukul statt, nicht mehr im Freien. Wir schlafen besser. Und morgens klarer Himmel, Frühstück in der Sonne, wunderbar! Wir bestreichen grad den Pfannkuchen mit Marmelade, als uns gemeldet wird, dass ein äthiopischer Wolf in der Nähe sei! Wir nehmen den Pfannkuchen in die eine und die Kamera in die andere Hand, und tatsächlich, da streift etwas Hellbraunes durch die niederen Sträucher, ähnlich einem großen Fuchs. Sehr selten, es soll nur noch 500 davon geben, und wir haben das Glück, einen bei Tag zu sehen!

2014 - Äthiopien 15 - zweiter Trekkingtag bei Lalibela

Nach dem Frühstück gehen wir nun auf der anderen Bergseite wie gestern, immer oberhalb des Abgrunds entlang und sehen ein paar Gelada-Affen. Nach 2 Stunden Wanderung auf einem aussichtreichen Höhenweg durch Lobelien stehen wir nun vor dem gestern im Nebel versteckten Mt. Abune Yosef, ein unbesteigbarer Felsklotz, der auf der gegenüberliegenden Seite eine Höhlenkirche enthalten soll. Wir steigen nur auf die Schulter des Felsklotzes, die Aussicht ist wieder einmal überwältigend. Und wie gestern steigen die Wolken auf und hüllen mittags schon den Berg in Wolken. Unser Weiterweg ist unspektakulär, durch die allgegenwärtigen Kleinsträucher, unter grauen Wolken, ab und zu ein paar Lobelien, Abwechslung bringt eine große Gruppe von Affen, die ihr Familienleben ungestört von uns ausleben. Dann durch die Tukul-Dörfer, auf der Piste, der Weg ist länglich. Später geht es auf groben Steinen abwärts, gegen 5 Uhr erreichen wir unser Lager, die Zelte stehen bei einem Brunnen in der Nähe von ein paar Hütten, das ganze Dorf steht Schlange, um uns beim Waschen und Räumen zuzuschauen. Wir sind hier nicht mehr unter den Wolken, die Abend-Sonne verschönt die malerische Szenerie, es ist mild, Ideal-Trekking – nur der Toilettengang ist schwierig… Morgens stehen wir beim ersten Gesang der Dörfler auf, in der Hoffnung, noch alleine am Brunnen zu sein – von wegen: sie sind schon da… Man kann ihnen ja keinen Vorwurf machen, die haben kein Fernsehen und kein Kino, endlich ist mal was los…

2014 - Äthiopien 16 - dritter Trekkingtag bei Lalibela

Heute geht’s bergab, durch Terrassenfelder, der Weg ist gesäumt von Blumen, später durch Eukalyptus-Wälder an einem Bach entlang. An diesem Bach machen wir Rast, Addis badet seine Füße, ich will mir die Hände waschen und rutsche auf ein paar Algen aus, knalle vorwärts auf den felsigen Untergrund, bin durchnässt, Jo hält mich am Arm fest, dass ich nicht weiter den Bach runterrutsche, etwas tiefer gibt es einen Wasserfall, das hätte auch schlecht ausgehen können. Sie ziehen mich aus dem Bach und legen mich in die Sonne, meine Hand tut weh, aber bald geht es wieder soweit, dass ich weitergehen kann.

Gegen Mittag kommen wir an der Straße an, wo unser Fahrzeug wartet, aber vorher besuchen wir noch eine weitere Felsenkirche. Zuerst sieht man nur eine hässlich moderne Mauer, am Felsüberhang flattern grüne Vögel wie Papageien, Love-Birds. Aber hinter der Mauer ein Kleinod: Yemrahane Kristos, 11.Jhdt., eine alte Kirche im axumitischen Stil, eine Ruhe, die Kirche kuschelt sich in die natürliche Aushöhlung des Felsens. Der Platz ist mit Bambusmatten ausgelegt, sehr fußfreundlich (in allen Kirchen lässt man die Schuhe draußen stehen und geht barfuß oder in Socken in die Kirche). Innen präsentiert uns der Priester wieder seine edlen Kreuze.

2014 - Äthiopien 17 - vierter Trekkingtag mit Kirche Yemrahane Kristos

Dann der letzte Abstieg auf einer Treppe, unten die Souvenir-Stände, unser Fahrzeug und “unser” Maultier. Ein sehr dicker Tourist versucht, es zu besteigen, von der Mauer, von einem Stein, unsere Freundin sagt immer wieder: das ist doch unser Maultier!, und schließlich wenden wir uns ab, um das Elend nicht mit ansehen zu müssen, der Typ wiegt mindestens 130kg, wir leiden mit dem Tier. Später im Hotel erfahren wir, es hätte sich standhaft geweigert.

Hier verschenke ich noch meine Wanderschuhe an unseren Maultier-Treiber, dann steigen wir ins Fahrzeug und werden nach Lalibela gebracht, wo wir den Nachmittag auf der Terrasse verbringen, nachdem wir etwas geräumt und gewaschen haben. Und um 5 Uhr geht’s schon wieder weiter im Programm, äthiopische Kaffee-Zeremonie, wo es nicht nur Kaffe, sondern auch Honig-Wein und Schnaps zu verkosten gibt, und damit das eine Grundlage hat, gibt’s Injera (das Fladenbrot) und Knabberzeugs dazu.

Von hier machen wir uns mit nur einem kurzen Abstecher in einem Touristen-Shop zum Abendessen ins Hotel, wo es heute voll ist und Büffet gibt, ich halte mich ans Obst, Jo und Lim nehmen das einheimische, scharfe Essen.

2014 - Äthiopien 18 - Lalibela Kaffeezeremonie, Fahrt nach Gondar

Weiter nach Gondar …

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