Oman – wandern am Djebel Shams

Am nächsten Morgen soll uns um 7 Uhr unser Geländewagen zum Hotel in Muscat gebracht werden, aber natürlich wird es später. Auf dem Parkplatz stehen wir vor einem riesigen Schlachtschiff, Toyota Landcruiser Stationwagen V6 mit 4 Liter Hubraum (nicht Verbrauch – den messen wir später mit 18l/100km …). Renate kann über die Motorhaube gar nicht drüber­schauen, man könnte ganze Großfamilien einladen, und das Ding ist nur für uns beide! Nun denn – wir verabschieden uns von den anderen, Karsten und Daniela fliegen heute heim, Marianne und Ansgar fahren mit dem NOMAD-Toyota auch nach Nizwa, wo Marianne die nächste Gruppe trifft. Dann laden wir unsere Sachen ins Auto, klettern auf die Sitze und fahren los.

Wir kommen gut aus Muscat raus, es ist noch nichts los, die Straßen sind breit und schön mit Blumen­rabatten und Rasenflächen eingerahmt. Wir fahren durch eindrucksvolle Landschaft, Berge und immer wieder tief eingeschnittene Täler, hübsche Dörfer, manchmal am Straßenrand eine Tankstelle, Super­markt und kleine Moschee. Gegen Halb Elf kommen wir in Nizwa an, hier ist Freitagsmarkt mit Tieren, aber die meisten Händler packen schon wieder ein. Wir kaufen etwas Obst und Getränke für die nächsten Tage auf dem Djebel Shams, im Supermarkt bekommen wir eine Tüte mit der Aufschrift ‚al Djazeera’. Wir bummeln noch durch die Gassen um das eindruckvolle massive Fort mit Lehmmauern, dann fahren wir weiter, machen noch den Tank voll – da passt einiges rein, und das braucht das Fahrzeug auch, aber das Benzin kostet ja fast nix.

Bevor wir in die Berge fahren, folgen wir einem Schild zum Wadi Tanuf und unser Instinkt leitet uns auf eine Piste durch eine eindruckvolle Schlucht, die Piste würde weiterführen, unsere Straßenkarte weiß aber davon nix, nun ja, der Oman ist groß, man kann als Kartenverlag nicht jede Piste kennen… Am Talausgang besichtigen wir noch die eindrucksvollen Ruinen des alten Ortes Tanuf, als uns ein Regenschauer überrascht und bis auf die Haut durchnässt.

Album anzeigen Danach geht’s bergauf, über unserem Berg hängen Wolken, es wird kühler. Die Straße ist gut ausgebaut, es kommen uns einige Geländewagen entgegen, sowohl Touristen als auch Omanis. Heute ist Freitag, der “Sonntag” der Muslime, und viele scheinen den freien Tag für Ausflüge und Picknicks zu nutzen und nicht für den Moschee-Besuch. Nun ist die Strecke zeitweise ungeteert, wäre aber auch mit PKW befahrbar (zumindest solange es nicht regnet…). Wir erreichen ein Plateau auf ca. 1.900 Metern Höhe mit wunderbarer Aussicht auf die Bergsilhouetten. Dann erreichen wir das Djebel Shams Resort, checken bei dem freundlichen wohl-duftenden Omani ein und beziehen unser Zimmer – wunderbar, großes Terrassenfenster auf 2 Seiten mit Blick auf die Berge. Wir machen uns gleich auf zu einem Spaziergang, 2 Stunden Tageslicht haben wir noch. Wir gehen entlang des Canyon-Randes, spektakuläre Blicke in die Tiefe, bei dem Wind könnte es einen fast über die Kante blasen. Wir haben wieder die warmen Klamotten und den Windstopper herausgeholt, hier hat es noch ca. 10 Grad. Über dem Gipfel liegt eine Wolke, sonst sieht das Wetter gar nicht so schlecht aus, ein schöner Sonnenuntergang.

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Um 19 Uhr finden sich die Touristen zum Abendessen ein, eine internationale Atmosphäre, es könnte auch eine Berghütte in den Alpen oder eine Lodge in Nepal sein, an manchen Tischen sitzen dunkle Typen, die Fahrer der Touristen-Autos. Und alle sind in Daunenjacken und Mützen eingepackt, im Speisesaal ist es eiskalt, wir halten uns an den Teebechern fest. Das Essen ist vielseitig und gut. Leider funktioniert dann auch der Heizkörper in unserem Zimmer nicht, wir hüllen uns bei 15 Grad in die Decken und kuscheln uns ins Sofa, schreiben Tagebuch oder lesen. Wir sind jetzt doch froh über die Unterkunft, hatten wir doch kurz erwogen, die Buchung abzusagen und in unserem großen Wagen zu übernachten, bei 6 Grad in der Früh doch etwas kalt.

Am nächsten Morgen machen wir uns gleich nach dem Frühstück auf zur Gipfel-Tour. Leider verpassen wir den Abzweig des Wanderweges, die englische Routenbeschreibung lässt viel Platz für Inter­pretationen. Wir folgen der Fahrspur, die sich nach einer halben Stunde zu einem Eselpfad verdünnt und drehen dann nach einer Stunde weglos durchs Gelände um in Richtung des vermuteten tatsächlichen Wegverlaufs. Nach einer Weile finden wir auch wirklich den hier gut markierten Pfad, aber zum Gipfel wird das heute nichts mehr – wir haben zuviel Zeit verloren. Wir gehen den Pfad zurück und am Parkplatz sehen wir dann, dass nur der Einstieg zum Weg nicht gut ersichtlich ist. Wir fahren nun ein paar Kilometer über das Plateau zu einem Dorf am Canyonrand und gehen von dort einen anderen Weg (den ‚Balcony-Walk’) entlang des Canyons. Er hat eine spektakuläre Wegführung mit Tiefblicken, der uns in 1,5 Stunden zu einem seit 30 Jahren verlassenen Dorf am Ende das Canyons führt. Es erinnert an indianische Pueblos, wie es in die Überhänge hineingebaut ist, dabei einige Terrassenfelder und ein paar Ziegen. Wir machen hier Picknick und genießen die Stille in der grandiosen Landschaft, es sind uns nur wenige Touristen begegnet. Wenn man sich eine solche Sehenswürdigkeit irgendwo in Europa vorstellt, gäbe es dort riesige Parkplätze mit Restaurants, Kiosken, Souvenir-Verkauf und Busladungen von Touristen.

Renate hält sich heute Abend beim Abendessen an die Suppe, die anderen Sachen sind ihrem Magen noch suspekt. Vor unserer Terrasse sind 3 Kuweitis beim Feuermachen und Spießchen grillen, von denen sie uns auch welche anbieten, und ‚Salat’ – nackte Salatblätter ohne Dressing. Sie haben sich in die Hotel-Decken gewickelt, es ist doch recht kalt hier oben, offensichtlich überraschend für die Kuweitis, die nur ihre gebirgslose, flache und heiße Wüste kennen. Der Sonnenuntergang ist noch spektakulärer als gestern.

Album anzeigen Am nächsten morgen machem wir uns wieder auf zum Gipfel-Versuch, jetzt kennen wir ja den Weg. Wir kommen nur langsam voran, der Weg ist in dem felsigen Gelände nicht wie bei uns breit und gut ersichtlich, sondern man muss aufmerksam nach jeder nächsten Markierung schauen, auch müssen wieder viele Fotos gemacht werden, und Renate hat etwas schlechte Kondition. Sie bleibt deshalb auch zurück, macht es sich an einem schönen Platz bequem und lässt sich die Sonne auf den Bauch scheinen. Jo geht zügig weiter (immer mit ‘ner Rolle Klopapier im Gepäck) und erreicht die Höhe von 2.700 Meter. Der Gipfel wäre noch mal 1 bis 1,5 Stunden weiter und das wird mit Rückweg zu lang im Hinblick auf Tageslicht, auch da Renate ohne Nachricht warten müsste. Den ganzen Tag sehen wir übrigens nur 5 andere Wanderer und ein paar Esel. Anzumerken ist, dass die Wanderung zum Gipfel und zurück gut zu machen ist, wenn man fit und gesund ist (war bei uns leider nicht der Fall).

Album anzeigen Weiter nach Nizwa, Misfah und Muscat mit dem Ende der Reise …

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