Oman – durch die Wüste Wahiba

Jetzt geht’s los Richtung Wüste. Durch die Änderung unseres Reiseablaufes werden wir nun den Kamel-Trek von Süden nach Norden und einen Tag länger als vorgesehen machen. Nochmal Mittagessen in einem Restaurant in Al Ashkharah – einem Ort, der für jeden Wildwest-Film die staubige Kulisse abgegeben hätte. Auch der nächste Ort Khuwaymah, in dem noch bei einer Autowerkstatt Kleinigkeiten erledigt werden, zeigt uns den staubigen Charme des Wüsten-Kaffs. Wenig später wird am Beginn einer Piste die Luft teilweise aus den Reifen gelassen, um besser im Sand fahren zu können.

Album anzeigen Wir verlassen die Straße und folgen der Piste, eigentlich nur Fahrspuren im Sand.

Nach einer Stunde Fahrt wird gehalten, hier im Nirgendwo bauen wir unsere Zelte auf, kochen, suchen trockene Äste fürs Lagerfeuer, beobachten den Sonnenuntergang und, genießen am Sternhimmel mit dem Fernglas Details der Plejaden, des Orion-Gürtels und den Mond. Rundherum keine Straße, kein Ort, kein Licht. Das ist unser Weihnachts-Abend. Einige wollen etwas sentimentale Weihnachts-Erinnerungen anbringen, aber das passt hier einfach nicht, es versandet sozusagen.

Album anzeigen Morgens nach dem Frühstück und Einpacken der Zelte dürfen wir dann zur Abwechslung eine Stunde laufen, wir sehen Tierspuren im Sand und eine Eidechse. Aber unser eigentlicher Trek hat noch nicht begonnen und schon bald stehen wieder die Toyotas da und wir steigen ein, fahren über sandige Piste und weiche Dünen zu einem einsamen Baum neben einem Brunnen, wo wir Mittagsrast machen. Um mal ‚hinter den Busch’ zu gehen, muß man ne ganze Strecke laufen, es gibt nämlich keinen Busch, höchstens ne Düne, hinter die man sich ducken kann. Und die Sonne strahlt zur Mittagszeit ganz schön kräftig herab. Also lieber zurück in den Schatten des Baumes zur Siesta. Marianne bringt von ihrem Bummel durch die Dünen den ‚Nachbarn’ mit, einen alten Zausel-Bart im Wickelrock, der allen die Hand schüttelt und mit unseren Fahrern das woher und wohin austauscht – das interessiert die Menschen in so dünn besiedelten Gegenden noch. Wir fahren weiter und lassen ihn alleine unter dem einzigen Baum zurück, bald sind sie aus unserem Blick entschwunden.

Album anzeigen Unsere Fahrer halten Ausschau im Nichts der Dünen, und plötzlich steht ein alter Toyota am Weges-rand, wir halten, Begrüßung mit der Kamel-Begleitmannschaft, und wir folgen dem Fahrzeug weg von der Piste zu 4 Kamelen. Hier bauen wir unsere Zelte auf, dann kommt Besuch – Julietta und Ibrahim von Nomad-Reisen mit ihren Kindern – lustige Überraschung in der Wüste! Sie bringen uns Eis am Stiel in fortgeschrittenem Schmelz-Zustand mit, wir beeilen uns, es nicht in den Sand tropfen zu lassen. Die Kinder halten uns auf Trab, wir gehen gemeinsam zu den Kamelen, auf denen die Kinder herum klettern, was sich die Kamele geduldig gefallen lassen. Überhaupt sind die Kamele zierlich und hübsch und von sanftem Charakter.

Als die Familie wieder abfährt, kehrt Ruhe ein, wir machen das Abendessen und sitzen mit unserer Kamel-Mannschaft (Vater und 3 Söhne) ums Lagerfeuer. Marianne wundert sich, als die sich plötzlich in ihre Decken wickeln, das machen sie sonst nie so früh, und kurze Zeit später wissen wir warum: der Wind wird stärker und trägt Sand mit. Bald wird das unangenehm, Sand zwischen den Zähnen und in den Augen. Wir verschließen die Zelte, aber es ist schon zu spät, Sand auch im Zelt, er siebt sich durchs Mückennetz durch, wir schaufeln Sandwälle um die Zelte herum, um sie im Wind zu befestigen und zu verhindern, dass der Sand weiter hereinweht. Auch wir ziehen uns nun in die Zelte zurück, aber das Flattern der Zeltplanen stört noch eine ganze Weile.

Album anzeigen Am nächsten Morgen schönes Wetter, der Wind ist in der Nacht eingeschlafen. Nach dem Frühstück werden die Kamele mit Tagesgepäck beladen, das Hauptgepäck wird im Toyota transportiert – nicht ganz das völlig abgeschiedene, unabhängige Trekking, das uns versprochen wurde. Immerhin sehen wir das Auto in den kommenden Tagen jeweils nur am Lagerplatz, tagsüber wandern wir alleine mit den Kamelen.

Bald steigt die Sonne höher und wärmt angenehm, manche gehen barfuss oder in Trekkingsandalen, der feine Sand rutscht durch, ohne zwischen den Zehen zu stören, sehr angenehm. Der Kamelführer-Vater geht bald mit freiem Oberkörper und Wickelrock, die Jungs in der Dischdascha. Um den Kopf wird immer ein Tuch gewickelt, es schützt gegen Sonne, und – wie wir gestern Abend erlebten – gegen Sandstürmchen.

Die nächsten Tage in der Wüste Wahiba verlaufen nun nach diesem Muster: Frühstück, manchmal frisch gebackenes Fladenbrot aus dem Feuer, Zelte trocknen (auch in der Wüste ist es nachts recht feucht – das Meer ist nah) und abbauen, alles zeitlich sehr entspannt, dann vormittags ca. 3 Stunden gehen mit einer kurzen Pause alle Stunde.

Manchmal eine Einkehr bei Beduinen zum Kaffee-Trinken, dazu gibt’s Datteln in ziemlich zusammengedrückter Form – von unserem Mitreisenden Ansgar ‚Dattelschleim’ genannt – mit Fliegengarnitur. Zur Mittagspause irgendwo im Schatten schnippelt Marianne Salat mit Oliven, Humus (Kicher-erbsenpaste) und Fladenbrot. Marianne bringt uns das ‚Spülen’ mit Sand bei – einfach die Teller und das Besteck mit Sand abreiben, bis es sauber ist.

Einmal nach der Mittagspause an einem Brunnen lassen wir uns alle die Haare mit vollem Wasserstrahl durchspülen – immerhin ist dann der Sand raus. Dann raffen wir uns noch mal auf, die Sonne steht hoch, und nun reiten wir auch gerne ein Stündchen auf den Kamelen. Nur das Aufsteigen ist etwas plötzlich, oben sitzen ist wunderbar. Am späten Nachmittag erwartet uns der Toyota mit unserem Gepäck, einem Ballen Heu auf dem Dach für die Kamele und einem Bündel Feuerholz hinterher ziehend an einem schönen Lagerplatz. Es wird Feuer gemacht, Marianne und der Kamel-Vater kochen mit- oder gegeneinander, für ihn muß Fleisch dabei sein, Marianne ist eher vegetarisch orientiert. Als er eines abends sieht, dass kein Fleisch zu erwarten ist, verschwindet er mit den Toyota und kommt spät wieder mit einem Topf Hühnchenbeinen, die Reste davon kriegen die Kamele (ist das Kamel das Schwein der Wüste?). Einmal sind wir alle mit Lagerbauen beschäftigt, als die Kamele sich dem Heuballen auf dem Toyota-Dach unerlaubt aber erfolgreich nähern. Aber sie bekommen auch beste Datteln und der Kamel-Vater kann ausgiebig mit seinem Lieblingstier schmusen – es heißt Djamila, die Schöne.

So gehen wir 5 Tage durch die Wüste Wahiba, über Dünen auf und ab, wunderbar die Abstiege über die weiche Seite einer Düne, dagegen ist der Aufstieg eher mühsames Wühlen im Sand. Meist gehen wir jedoch auf relativ festem Sand, auf dem es sich angenehm geht. Auch das Schlafen auf dem Sand empfinden wir angenehmer als den Untergrund auf sonstigen Trekkingtouren. Und ins Zelt gewehter Sand ist immer noch besser als Schnee oder gar Regen, den Sand kann man einfach rausfegen, er wird nicht als ‚Dreck’ empfunden.

Im Sand geht ein kleiner Stecker des Solarladegeräts verloren, so dass Renates Kamera nicht mehr geladen werden kann, wir haben jetzt nur Jo’s Kamera, die nicht so gut ist, vor allem nicht soviel Weitwinkel-Brennweite hat. Der Frust darüber, dass der Verlust eines so kleinen Teilchens die “Ausbeute” eines Urlaubs so beeinträchtigt, führt nach der Heimkehr von dieser Reise zu einer grundsätzlichen Änderung der Stromversorgungstechnik für kommende Reisen – siehe hierzu einen gesonderten Blog-Eintrag. Zuhause stellen wir dann fest, das die Kamera generell den Wüstensand nicht überlebt hat.

Nachts scheint inzwischen ein dreiviertel voller Mond und überstrahlt die meisten Sterne, zaubert aber ein wunderbares Licht in die Wüste. Morgens steigt die Sonne aus dem Dunst, abends malt sie wundervolle Farben über die Dünen. Es ist ein gleichförmiger und dabei sehr entspannender Tagesablauf in der Wüste, wenn wir auch nicht zu bergsteigerischen Leistungen kommen.

Album anzeigen Nach 5 Tagen ist nach der Mittagsrast noch eine letzte halbe Stunde im Sand zu gehen, dann stehen wir am hohen Abbruch einer Düne, unter uns ein ungewohnter Anblick: ein kunst-grüner Tennisplatz und viele schachtelförmige Gebäude – das Al Raha Camp, in dem wir die nächste Nacht verbringen werden. Das Camp liegt an der Haupt-Piste durch die Wüste und wird von vielen Touristen als Etappenziel genutzt. Nach Ankunft und (kalter) Dusche sitzen wir im Garten, in den Bäumen zwitschern Vögel, aber ein anderes Geräusch lockt uns beide vor das Camp: hier werden kleine Quads verliehen, und für 5 Omani Real (ca. 10€) brettern auch wir eine halbe Stunde durch den Sand – wirklich leistungsfähig sind die Dinger nicht, 90 ccm, aber es macht mal Spaß. Zum Sonnenuntergang krabbeln wir wie viele andere Touristen die hohe Düne hinauf, man kann sich auch mit dem Toyota rauf fahren lassen. Ein schöner Sonnenuntergang, aber wir schauen traurig nach den Kamelspuren und denken an unsere einsamen Nächte im Nirgendwo der Wüste. Nach dem Abendessen liegen wir wie die Orientalen in den schweren Kissen, einige rauchen Schischa, Wasserpfeife mit parfümiertem Tabak.

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Weiter im Auto nach Ibra und Muscat …

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  1. sabine
    13. Februar 2010 um 21:56

    so, Ihr Zwei, erst mal eine Pause hier. Ach, sie wurden immer schöner und stimmungsvoller die Fotos und aufs Kleinste achtender, je weiter es in die Wüste ging – die Wüsten-Erfahrung überträgt sich offenbar in die Bilder bzw. auf den Betrachter. Besonders z.B. der Grashalm, der im Winde sich bewegend seine Spur in den Sand zeichnet… oder die Spuren der Eidechsen oder in dem Video, wie der Sand so leicht vom Fuß vorwärtsgestäubt wird (um ein neues Wort für diese feine Bewegung zu erfinden…). Ich habs mit großer, zunehmender Freude und Staunen und Lächeln und auch Lachen alles verfolgt, was es mitzuerleben gab – Wüste ist wunderbar! Beste Grüße von S.

  2. bettina hein
    25. Februar 2010 um 23:22

    WOW, bin ganz geschafft vom lesen, reiten, sand aus den
    augen und,und,und…mach jetzt auch ne pause und dann sehr
    ineressiert weiter. Großartig !!!!!!!
    Bettina

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