Oman – Wadi Tiwi

Am nächsten Morgen um 6 Uhr weckt uns in Muscat der Ruf des Muezzins. Der Himmel ist bedeckt, ab und zu fallen ein paar Regentropfen auf unserer Fahrt nach Süden zum Beginn des Esel-Treks. In Muscat herrscht reger Verkehr, es wird noch getankt, das Benzin ist billig (ca. 0,20€ je Liter). Außerhalb Muscats dann eine kleine Strassen-Überschwemmung, die letzte Zeit hat es öfter geregnet, und ein Wadi führt Wasser. Wir fahren die gut ausgebaute Küstenstraße Richtung Süden nach Tiwi, wo eigentlich noch ein Badestopp vorgesehen ist, aber bei dem grauen Himmel lädt das Meer nicht zum Baden ein. Wir bekommen Kaffee, unser Führer für die nächsten Tage trifft ein, wir packen unsere Tagesrucksäcke und los gehts.

Album anzeigen
Der Weg durchs Wadi ist momentan Baustelle, die bisherige Piste wird zur Straße ausgebaut, hier sind jede Menge Maschinen und Inder in blauen Overalls am Werk. Generell machen Inder, Nepali, Philippinos etc. die schwere Arbeit. Die Omanis selbst sind Bauern und Händler, sie fahren Taxis und man sieht sie in Hotels und vor allem in Kaffeehäusern.

Bald lassen wir die Baustelle hinter uns, wir gehen durch Gärten mit Palmen, Granatäpfel, Papayas und Bananen, unten im Wadi Wasserstellen, an einer davon machen wir Pause. Hier gibt’s kleine Fische im Wasser und Libellen schwirren umher, auch ein Frosch ist zu hören. Inzwischen scheint die Sonne, es wird warm und man freut sich über den Schatten der Gärten. Unser Weg führt bergauf, wir kommen zu einem richtigen Wander-Wegweiser, hier geht unser Pfad ab von der Piste. Eine Gruppe Franzosen kommt uns entgegen. Es beginnt zu regnen, dabei ist es nicht unangenehm, es wird nicht gleich kalt wie bei uns, aber die Felsen und Steine werden glatt, man muß aufmerksam gehen. Nach ca. 3 Std., es regnet immer noch, erreichen wir einen kleinen Ort, wo die ersten unserer Gruppe in einem Stadel Schutz vor dem Regen gesucht haben. Unsere Führerin ist schon mit dem Organisieren von Wie und Wo und Weiter beschäftigt, bei dem Regen müssen wir für diese Nacht irgendwo unterkommen, wir haben keine Zelte dabei, im Oman regnet es ja nie…. Derweil beobachten wir fasziniert, wie sich an der gegen­über­liegenden, eben noch trockenen Felswand ein Sturzbach seinen Weg bahnt, das ist kein kleines Rinnsaal, das sind Wassermassen. 2 weitere Bäche sind zu sehen, wir werfen Blicke auf die Felswände hinter uns, aber die Dorfbevölkerung beruhigt uns, von dieser Seite droht keine Gefahr. Wir diskutieren untereinander und mit Marianne, wie es weitergehen soll. Wir verstehen, dass bei diesen Wetter-bedingungen unser Trek weiter in die Berge bis auf 2.000 Meter Höhe nicht durchgeführt werden kann (Gefahr durch Wasserfluten und Steinschlag). Sie hat inzwischen einen Raum für die Nacht für uns organisiert, und auf der letzten Steigung dorthin hat unser Begleitfahrzeug, dass uns bis hierher mit dem Gepäck folgte, trotz Allrad ziemlich Mühe, auf der lehmigen Schmiere des Weges durchzukommen.

Album anzeigen
Der Raum ist elementar, immerhin ein Dach und Licht gibt es. Wir legen eine große Matte und die Sitzmatten hinein, gleich sieht es wohnlicher aus. Wir frozzeln über die deutschen Touristen, die viel Geld für exklusive Trekkingreisen ausgeben, um dann im Ziegenstall zu übernachten… Gekocht wird nebenan im Freien am mitgebrachten Gaskocher, es hat aufgehört zu regnen, aber an den Bergen hängen weiterhin drohend die Wolken. Unsere nassen Klamotten auf dem Elektrokabel trocknen auch nicht mehr heute abend. Die Dorfziegen schauen beim Gemüseschnippeln zu, zum Essen gehen wir in unser Zimmer und machen die Tür zu. Am nächsten Morgen Wolken und Sonne, es wird weiter telefonisch organisiert. Die Sturzbäche sind verschwunden. Auf jeden Fall werden wir nicht weitergehen, sondern wieder absteigen, aber wir dürfen noch 2 Stunden den Weg erkunden, den wir weitergegangen wären mit den Eseln. Wir steigen in einer eindrucksvollen Landschaft zwischen steilen Felswänden auf einem kaum erkennbaren Eselspfad empor. Jeder kleine Busch wird dankbar als Schattenspender wahrgenommen, inzwischen scheint die Sonne kräftig auf uns herab, aber über den Bergen dräuen die Wolken. Um 11Uhr sind wir zurück im Dorf und steigen nun gemeinsam ab, mit bedauernden Blicken auf die großartige Landschaft, aber wenn es uns da oben in den Bergen einregnet…. Unten im Wadi gibt’s noch mal eine Pause, manche nehmen ein Bad, dann geht es durch das deutlich höhere Wasser des Baches mit den Badesandalen oder auf dem Trittbrett des Jeeps, der uns inzwischen abgeholt hat. Es kommen uns viele Kleinbusse voller Schulkinder entgegen, die Jungs in der Dischdascha, die Mädels mit Kopftücher, alle winken fröhlich.
Album anzeigen
Kurz vor Tiwi treffen wir wieder unseren Toyota, der von den Fahrern liebevoll im Fluss gewaschen wird:

Wenig später sind wir am Nachmittag wieder zurück in Tiwi. Wieder gibt’s Kaffee, unsere Fahrzeuge sind auch schon da, und nun fahren wir 10 km nach Norden, biegen auf einer Fahrspur auf den Strand und halten direkt am Meer. Mit dem gelben Toyota werden am Strand Allrad-Fahrübungen gemacht:

Es werden inzwischen organisierte Zelte ausgegeben, die wir aufbauen, ein Bad im indischen Ozean, dann wird gekocht und ein Lagerfeuer gemacht. Um 18 Uhr wird es dunkel, der Mond steht als schmale Sichel am Himmel, über den Bergen Wolken, das gleichmäßige Rauschen des Meeres, zuhause liegt Schnee.

Album anzeigen

Weiter nach Sur ...

  1. Es gibt noch keine Kommentare.
  1. No trackbacks yet.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: