Wandern in den Cinque Terre

Mitte Mai brachen wir auf, unseren Citroen C3 Pluriel vollgepackt mit kleinem Camping-Equipment, Bergsport- und Reit-Ausrüstung. Wir waren etwas in Sorge, ob uns die lange Fahrt nicht zu sehr schlaucht, aber mit Fahrerwechsel das war kein Problem. Überrascht hat uns, wie reizvoll die Autobahn zwischen Parma und La Spezia ist – kurvenreich, aussichtsreich und viel einsame Landschaft: sehr hübsch!

Vor La Spezia ging es weiter auf der Autobahn Richtung Genua, bis wir bei Levanto ans Meer fuhren und uns dort einen Campingplatz suchten. Wir fanden einen kleinen, schattigen Platz in den Hügeln des Hinterlandes, der zwar an der Landstraße in die Cinque Terre lag, aber der nächtliche Verkehr war kaum störend.

Der Nationalpark der Cinque Terre

In den folgenden Tagen machten wir mehrere ausführliche Wanderungen und entdeckten so die verschiedenen Facetten dieses schönen Landstrichs:

  1. Von Levanto aus durch die bewaldeten Hügel und immer in Küsten-Nähe nach Monterosso. Der Weg war abwechslungsreich mit immer neuen Ausblicken auf Meer und Küste. Erst vor Monterosso trafen wir auf einige andere Wanderer – bis dahin war es recht einsam. In Monterosso selbst dann ein kleiner Schock: dort wuselte es vor lauter Touristen und Schulklassen, die aus Eisenbahn und Reisebussen quollen!
    Wir schauten, dass wir wieder weiterkamen auf den Küstenpfad nach Vernazza. Am Beginn des Pfades allerdings eine solide Absperrung und ein Schild, dass der Weg wegen Erdrutsch gesperrt sei! Hm – was nun? Wir waren uns schnell einig, es darauf ankommen zu lassen. Mit ein bisschen Orientierungsinstinkt fanden wir an der Sperre vorbei und waren dann wie gewünscht unterwegs. Die Wegführung in der Steilküste durch die Terrassengärten gefiel uns ausgezeichnet und – es kamen uns ab und zu Wanderer entgegen! Interessant, der Weg scheint so schlimm nicht zu sein! Tatsächlich gab es einige Stellen, an denen offensichtlich aufwändige Befestigungsarbeiten durchgeführt worden waren. An letzten noch nicht ganz abgeschlossenen Baustellen kam man aber problemlos vorbei. In Vernazza wieder eine Wegsperre mit ein paar Latten, unter denen man locker durchkam – daher der Gegenverkehr! Durch die Sperre hatten wir übrigens auch 5€ Wege-Gebühr gespart 🙂
    Vernazza selbst bot dann wieder einen kleinen Schock: unser Wanderweg führte auf eine kleine stille Gasse, die in die Hauptgasse mündete. Und dort – der Wahnsinn! Ein stetiger Strom von Touristen zwischen Hafen und Bahnhof, Postkartenläden, Touristenkram, Eisdielen und Pizzerien en masse. Wir erkundigten uns über den Fahrplan der Eisenbahn zurück nach Levanto und ließen uns dann bis zur Abfahrt vom Strom der Touristen durch den hübschen, reizvollen Ort spülen, der baulich noch sehr ursprünglich ist und nicht von Hotelkästen verschandelt.
  2. Am nächsten Tag wollten wir das “höhere” Bergland der Cinque Terre erkunden. Mit dem Auto fuhren wir bis zur Ortschaft Drignano oberhalb von Vernazza und begannen dort eine Rundwanderung zum Monte Malpertusa und weiter über den bewaldeten Bergkamm, dann auf halbe Höhe hinab nach San Bernardino und von dort durch die teilweise verwilderten Terrassen über Madonna di Reggio wieder zurück zum Auto.
    Fazit dieser Wanderung ist, dass der Weg auf dem Bergkamm gar nicht so reizvoll ist, weil man durch die Bewaldung kaum Aussicht hat. Daher ist eine Wanderung dort oben das, was wir “meditativ” nennen – man könnte auch “langweilig” sagen. Viel abwechslungsreicher war dann der Rückweg auf halber Höhe durch die Terrassen. Streckenweise kommt man über genutzte Terrassen mit schöner Sicht auf die Dörfer der Cinque Terre und das Meer, dann wieder sind die Terrassen verwildert und vom Wald zurückerobert. Aber auch hier kann man immer noch die enorme Kulturleistung des Terrassenbaus bewundern, während sich der Weg den Hang entlang schlängelt.
  3. Am dritten Tag setzten wir die Küstenwanderung ab Vernazza fort, das wir mit der Bahn erreichten. Im Ort fanden wir gleich die Fortsetzung des Wanderwegs oberhalb der Küste. Auch hier wieder eine Absperrung, die uns aber nicht mehr schreckte. Tatsächlich war auch dieser Wegabschnitt bis Corniglia wieder wunderschön und die vom vergangenen Winter verursachten Schäden waren bereits ausgebessert. Im spektakulär gelegenen Dorf Corniglia konnte uns der Touristenstrom dann nicht mehr überraschen, sondern wir genossen zur Mittagsrast einen kühlenden Milkshake mit Meeresblick.
    Danach ging es über eine lange Zickzack-Treppe hinab zum Bahnhof, an diesem vorbei zur Fortsetzung des Küstenwegs. Leider war dieser vielgerühmte Abschnitt bis Manarola schlicht langweilig. Er führt zwar sehr nah an der Küste entlang, die ist aber hier recht uninteressant. der Weg selbst ist teilweise geteert und wird von Unmengen Sandalen-Touristen bevölkert. Nun denn – nach etwa einer Stunde kamen wir in Manarola an, stellten dort fest, dass die Fortsetzung des Wegs bis Riomaggiore ebenso stark frequentiert war und entschieden uns schnell, uns das zu sparen.
    Statt dessen wählten wir einen kaum begangenen, aussichtsreichen Weg hinauf durch die Gärten und Weinberge bis Volastra und von dort zurück nach Corniglia. Von Corniglia aus wanderten wir auf dem bereits vom Morgen bekannten Küstenpfad zurück nach Vernazza, genossen erneut die schöne Wegführung und die Blicke auf das in der Nachmittagssonne gleissende Meer. Am Ortsrand von Vernazza ließen wir uns von einer reizenden in die Terrassen gebauten Bar zur Durstlöscher-Pause verlocken, bevor wir den Zug zurück nach Levanto nahmen. 

Nach diesen drei Wanderungen hatten wir das zufriedenstellende Gefühl, die Cinque Terre in ihren verschiedenen Aspekten gut kennengelernt zu haben. Die Dörfer sind wahrhaftig spektakulär gelegen, was vor allem von weiten sehr schön zu sehen ist. In den Dörfern selbst ist das Auf und Ab der kleinen, meist Auto-freien Gässchen reizvoll, wenn man sich an die Touristenströme gewöhnt hat, mit denen man diesen Eindruck teilt. Am besten gefielen uns die Wanderungen in halber Höhe durch die terrassierten Gärten und Weinberge, hat man doch von dort die schönsten Aussichten und genießt die größte Ruhe und Stille.

Weiter nach Vallebona …

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