Wandern in den Apuanischen Alpen und im Trentino

Nach der Reitwoche hatten wir geplant, einige Wanderungen in den Apuanischen Alpen zu machen. Wir fuhren wieder durchs Hügelland des Monte Morello nördlich an Florenz vorbei, dann auf der Autobahn und später über kleine Bergsträßchen, die das Autofahrer-Herz erfreuten. Wir landeten schließlich in Castelnuovo Garfagna (obere Markierung in der Karte) und fanden hier einen der wenigen Campingplätze, die es abseits vom Meer gibt.

Die Apuanischen Alpen mit Markierungen auf Castelnuovo, Isola Santa und Vagli Sopra

Gleich nach dem Aufbau des Zeltes brachen wir auf, um noch eine kleine Wanderung zu machen. Wir fuhren ein kleines Sträßchen nach Isola Santa (untere Markierung in der Karte), parkten am Ortseingang und machten von dort mit leichtem Gepäck eine schöne 3-Stunden Wanderung im lichten Bergwald vorbei an einer kleinen einsamen Kirche Richtung Col di Favilla.

Am Auto wieder angekommen war ich leicht irritiert – irgendwas stimmt nicht! Dann realisiere ich, dass das Türschloss zerstört ist – das Auto wurde aufgebrochen! Puh – einen solchen Adrenalinschub hab ich selten verspürt.

Erst mal tief durchatmen und dann genauer prüfen, was los ist: Im Innenraum fehlen zwei Gepäcktaschen sowie ein Rucksack mit sämtlichen Kleidungsstücken, mit Führern und Karten sowie mit etlicher Hardware und allen Foto-Speicherchips. Nicht nur hochwertige und liebgewonnene Ausstattung ist weg, sondern alle Bilder und Filme, also auch die der großartigen Reitwoche in Vallebona!! Es blieben uns nur die paar Bilder auf dem Chip in der Kamera, die wir auf der Wanderung gerade dabei hatten – es ist ein Jammer! Immerhin: Der Kofferraum wurde nicht aufgebrochen, Camping- und Reitausrüstung sind also noch da. Die wichtigen Wanderschuhe hatten wir sowieso an. Und am Auto ist kein weiterer Schaden entstanden, sogar das Schloss funktioniert noch über die Fernbedienung.

Ich versuche, mit dem Handy die Polizei anzurufen – Fehlanzeige, kein Empfang hier im tief eingeschnittenen Tal. Ich halte einen vorbeifahrendes Fahrzeug an in meiner leicht panischen Not. Der Fahrer kann zwar keine Sprache, die ich verstehe, aber trotzdem schafft er es, uns wieder zu beruhigen. Er bietet an, uns voraus zu fahren und zur Carabinieri-Station in Castelnouvo führen. Dort durchwühlt der Carabinieri dann mehrere Schubladen, bis er ein mehrsprachiges Formular zur Verlustanzeige heraus kramt. Es war nicht so einfach, in dem Geisteszustand eine Liste der gestohlenen Gegenstände aufzustellen – was war denn alles eingepackt, was in welcher Tasche? Nun denn – irgendwann ist das betreffende Feld des Formulars schlicht voll. Wir lassen uns das Ding noch abstempeln und ziehen ab Richtung Campingplatz – immerhin sind die Matratzen und Schlafsäcke bereits im Zelt und noch da! Bevor wir unser weiteres Vorgehen entscheiden, heißt es erst mal schlafen und die Gedanken sortieren.

Am nächsten Morgen dann der Entschluss: Wir lassen uns nicht beirren und bleiben erst mal, um zu tun, was uns wichtig ist: Bergwandern! Wir haben noch die Wander-Ausrüstung, die wir am Leib trugen und können damit gut ein paar Tage überbrücken.

Also brechen wir auf und fahren nach Vagli Sopra und starten von dort eine schöne Wanderung in die Marmor-Berge. Es geht vorbei an einer alten Almsiedlung, deren solide Steinhäuser nun als private Ferienhäuser genutzt werden. Die Almsiedlung liegt in einer romantischen Talmulde, deren Wiesen mit wilden Narzissen übersät sind, alles überragt von den hohen Wänden der Berge – ein sehr schöner Platz! Von dort ging es in den Wald, stetig immer höher steigend die Bergflanke entlang. Unter uns im Tal konnten wir in einem Marmor-Steinbruch die Maschinen stehen sehen, winzig aus unserer Perspektive. Schließlich kamen wir aus dem dichten Bergwald in ein Gebiet mit jungen Buchen, in dem wir auch noch einige Schneefelder zu überqueren hatten. Der Weg wurde immer rauer und mühseliger, dazu frischte der Wind stark auf und im Sattel vor uns, dem eigentlichen Ziel der Wanderung, ballten sich die Wolken – also keine Chance auf Fernblick bis aufs Meer. Außerdem hatten wir nur kurze Hosen – das wäre auf dem windigen Grat vor uns zu kalt geworden. So definierten wir eine kleine Kuppe mit reizvoller Aussicht als unser heutiges Ziel und machten dort Mittagspause, um dann auf demselben Weg wieder abzusteigen.

Der nächste Tag begann dann bereits mit dichter Bewölkung und wir entschieden uns, doch bereits abzureisen. Über kleine Bergstraßen und Pässe fuhren wir durch die wolkenverhangenen Berge nordwärts. Je weiter wir nach Norden und in die Po-Ebene kamen, desto besser wurde das Wetter und schließlich war es so klar, dass wir uns erst durch einen Blick zurück davon überzeugen mussten, dass unsere Entscheidung richtig war, da sich im Gebirge die Wolken immer noch hoch türmten. Bei Modena ging es wieder auf die Autobahn und weiter nordwärts Richtung Heimat. Vor uns ballten sich schon wieder die Wolken und ich dachte mir, dass offensichtlich auch in den Alpen schlechtes Wetter ist. Aber falsch gedacht: Die Wolkentürme stellten sich als Gewitterzelle über der Po-Ebene heraus und als wir ins Trentino kamen, herrschte kristallklares Wetter!

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Es genügten wenige Worte bis wir entschieden hatten, dass es eine Sünde wäre, bei dem Prachtwetter heimzufahren und die einladenden Berge zu ignorieren. Also bei Rovereto runter von der Autobahn und rein in das große Einkaufszentrum, um uns erst einmal mit dem Notwendigsten und vor allem mit Kartenmaterial auszustatten.

Nach kurzem Kartenstudium entschieden wir uns für die Gegend um den Lago di Caldonazzo als Standort für die nächsten Tage – dort waren mehrere Campingplätze verzeichnet. Vor Ort angekommen, stellte sich die Wahl der Zielgegend als gut heraus – ein schönes weites Tal mit schönen großen Seen, umgeben von interessanten Bergen, die zu anspruchsvollen Touren einladen. Es war zwar in der Höhe noch viel Schnee zu sehen, aber auch in den tieferen Lagen sollte die eine oder andere schöne Tour möglich sein. Nur im Hinblick auf die Campingplätze hatten wir uns getäuscht: Es gab zwar wirklich viele, aber jeder von ihnen war so groß, eng parzelliert und stark belegt, dass uns die Lust aufs Zelten verging – wir mögen es still und lieber spartanisch.

Kurz entschlossen nahmen wir uns ein Zimmer mit Balkon und freiem Bergblick in der Frühstücks-Pension “La Vecchia Fattoria” in Levico Terme, einem hübschen Badeort am verträumten kleinen Lago di Levico etwas oberhalb vom Lago di Caldonazzo .

Levico Terme und Umgebung

Hier blieben wir vier Tage und machten jeden Tag eine schöne, ausgiebige Bergtour ganz nach unserem Geschmack:

  • über das Rifugio Casarota auf den Becco di Filadonna, weiter zum “Cornetto”
  • aus dem Valle di Sella in die Porta Mazzano und weiter auf die Cima Mandriolo
  • von Vetriolo Terme auf den Monte Fravort
  • Halbtages-Tour von Ganzaie (oberhalb Daiano, Cavalese) auf die Kugel (La Cugola”)

Es gelang uns sogar noch für den Abend des dritten Tages einen Ausritt beim Reitclub des Hotels Paoli in der Ortschaft Lochere, bei Levico zu organisieren. Es war für uns eine schöne Auffrischung unserer Reiterlebnisse in der Toskana, dort nach der Bergtour noch für zwei Stunden durch die Obstplantagen und den Bergwald zu reiten. Es ging zwar recht gemütlich mit wenig Trab oder Galopp dahin, trotzdem genossen wir es, wieder auf dem Pferd unterwegs zu sein. In dem Zusammenhang war es für uns auch außerordentlich interessant, unterwegs auf unseren Bergwanderungen mehrfach auf Wegweiser für Reiter zu treffen. Es gibt dort im Trentino einen gut ausgeschilderten Reitwanderweg “Ippovia del Trentino Orientale”, dessen Wegführung uns zum Teil stark beeindruckte, ging es doch lange, schmale, sehr steile und grobe Bergpfade hinauf, bei denen selbst wir ausdauernden Wanderer etwas ins Schnaufen kamen – hier mit dem Pferd unterwegs zu sein, hätten wir nie gedacht!

Während unseres Aufenthalts im Trentino gestaltete sich Tag für Tag das Wetter immer instabiler und  zuletzt wurden wir nur mit Glück von Schauern im Gebirge verschont. Ein Blick auf den Wetterbericht versprach keine Besserung – für uns das Signal, nun tatsächlich zu packen und heimzufahren.

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360-Grad-Panorama vom Gipfel der Kugel ("La Cugola") auf Monte Baldo, Adamello, Brenta, Hauptkamm, Schwarzhorn, Weißhorn, Pala, Lagorai

Resümee:

 

Wir hatten viele unterschiedliche Landschafts-Eindrücke erlebt, schöne Bergwanderungen gemacht, teils weniger anspruchsvoll als für uns gewohnt, teils auch ausfüllend und zufriedenstellend. Die Erinnerung an unser hässliches Erlebnis mit dem Auto-Einbruch verliert im Laufe der Zeit an Bedeutung und es bleibt vor allem die Erinnerung an den Höhepunkt der Reise – die Reitwoche auf Vallebona. Es war wirklich schön dort und wir sind froh, die Reise unternommen zu haben!

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