Reiterferien auf Vallebona

Nun stand also ein Ortswechsel auf dem Plan. Nach einer kurzen Autobahnfahrt bis La Spezia machten wir einen kleinen Umweg über schöne kleine Bergsträßchen durch die Berge im Hinterland von La Spezia und Carrara. Auf diesen Sträßchen kommt man zwar kaum vorwärts, aber es macht viel Spaß, durch die Kurven zu kurbeln. Dann wieder auf der Autobahn bis Lucca, wo wir eine ausgiebige Pause mit Stadtbummel einlegten. Lucca mit seinem historischen, lebendig pulsierenden Stadtkern hat uns gut gefallen. Natürlich sind auch hier viele Touristen unterwegs, aber das authentische Leben wird vom Tourismus nicht überlagert. Schließlich gingen wir an die letzte Etappe: bis kurz vor Florenz auf der Autobahn, dann auf Nebenstrecken im Gebiet des Monte Morello nördlich an Florenz vorbei. Von dort oben hatten wir bei einer Pause einen interessanten Blick hinunter auf Florenz mit dem riesig wirkenden Dom in der Stadtmitte. Schließlich kamen wir über weitere Nebensträßchen an beim “Reiterhof Vallebona”.

Vallebona (markiert) und Umgebung

Am Abend trafen sich alle neu angekommenen Gäste in der schattigen Laube, um von der Chefin Raimonda bei einem Schluck kühlem Weißwein die ersten Informationen zu erhalten.

Das Haupthaus von Vallebona hat den Charme eines über 1000 Jahre alten großen Bauernhauses mit dicken Mauern, hohen Gewölbe-Räumen im Erdgeschoss für Speisesaal und Kaminzimmer sowie großzügigen Gästezimmern, die mit wenigen alten Möbeln und modernen Bettgestellen zweckmäßig eingerichtet sind. Für die Pferde gibt es im Umfeld des Hofes mehrere Weiden sowie ein modernes, großes Stallgebäude. Für die Unterrichtsstunden steht ein großer Reitplatz zur Verfügung und für die Ausritte ruft die wunderbar abwechslungsreiche Umgebung. Die Reitführer kennen hier jeden Weg und Steg mit Gelegenheit für manch forschen Galopp, so dass nie Langeweile aufkommt bei den Ausritten.

Der Tagesablauf auf Vallebona ist wohlstrukturiert und bietet doch viel Flexibilität für den Gast:

Täglich kann man sich entscheiden, ob man am nächsten Vormittag bzw. Nachmittag Unterricht nehmen und/oder ausreiten will.
Hat man sich fürs Reiten am Vormittag entschieden, kann man um 8 Uhr im Stall erscheinen, um die Pferde vorzubereiten: Striegeln, Hufe pflegen, satteln, aufzäumen. Erst danach geht es zum Frühstück. Wer allerdings gern länger schläft und sich die Pferdepflege spart, braucht keine strafenden Blicke fürchten – wer will, kann hier vollen Service genießen und sich um 10 Uhr einfach auf das gesattelte Pferd setzen.
Die Mahlzeiten gibt es gegen 13 und 20 Uhr, jeweils im toskanischen Stil: Ein oder zwei Sorten Pasta als erster Gang, danach ein zweiter Gang unterschiedlichster Zusammensetzung. Dazu Chianti und Wasser nach Belieben.

Unseren Reitunterricht erhielten wir meist von Steffi, einer resoluten Schwäbin, die seit 15 Jahren auf Vallebona arbeitet. Man kann wirklich viel lernen bei ihr und bekommt immer ein kritisch-konstruktives Feedback. An Steffis freiem Tag wurden wir von Samuele unterrichtet, den wir vorher nur als Helfer im Stall kannten, z.B. wenn er mehrere Pferde gleichzeitig mit dem Quad(!) von der Koppel holte. Sein methodischer Ansatz war äußerst systematisch, gut strukturiert und voller Erklärungen – wir waren sehr zufrieden! Am Abend desselben Tages kam noch eine große Überraschung: Samuele gab uns allen nach dem Abendessen einen Einführungskurs ins Tango-Tanzen! Es war ein sehr vergnüglicher Abend und wieder zeigte sich, was für ein systematischer und einfühlsamer Lehrer er ist – Kompliment!

Wir  nutzten wir unsere freie Zeit und machten Wanderungen und Ausflüge:

  • von Galiga zum Monte Giove
    Schöne Wanderung über Forstwege und Fußpfade, erst durch Kastanienwald und später über Wiesen mit Ausblick ins Hügelland. Der Blumenreichtum auf den Bergwiesen zu dieser Jahreszeit hat uns sehr erfreut! Auf den Wegen sahen wir auch Pferdehuf-Spuren.
  • von San Godenzo/Ficciana Richtung Monte Gampaccio
    Die Karte ließ leider nicht ahnen, dass alles ein breiter Forstweg war. Dies und die Tatsache, dass der Weg ausschließlich durch den Wald führte, lies uns die Wanderung abbrechen – es war langweilig.
  • Rundwanderung von Vallombrosa zum Monte Seccietto und über den Kamm an Saltino vorbei zurück.
    Der Aufstieg durch den Wald war – nun ja – meditativ, wenn auch der durchsonnte Kastanien- und Buchenwald schön war. Der Rundblick vom Berg ist interessant, wird aber vom “Charme” großer Antennenanlagen getrübt. Der weitere Weg Richtung Saltino führte schließlich über einen reizenden blumenreichen Wiesenkamm mit sehr schönen Ausblicken – da hatte sich die Wanderung gelohnt!
  • Ausflug mit der Bahn von Pontassieve nach Florenz zum Stadtbummel.
    Ich gestehe – wir sind nicht so sehr die eingefleischten Bewunderer alter Gemälde und Kunstwerke und haben uns darauf beschränkt, die Stadt Florenz bei einem Bummel zu erkunden, ohne dabei jede Kirche oder jedes Museum zu besichtigen. Allerdings – den Dom zu besichtigen, insbesondere die Kuppel zu besteigen, hätte mich zwar schon gereizt – aber die lange Schlange an der Kasse war denn doch zu abschreckend. Statt dessen bestiegen wir beide den Campanile und wurden durch den sehr interessanten und schönen Ausblick belohnt. Außerdem bot uns die Treppe mit ihren über 400 Stufen Gelegenheit, unsere Kondition mit der anderer Touristen zu vergleichen 🙂

Die Woche wurde gekrönt durch einen Tagesritt, der von Rainer geführt wurde. Auch er ist deutscher Mitarbeiter von Vallebona, der hier seine Pferdeleidenschaft zum Beruf gemacht hat. Der Ritt startete wie üblich um 10 Uhr und führte über abwechslungsreiche Wege und Pfade in 2 1/2 Stunden zum Castello del Trebbio. Dort trafen wir eine andere Gruppe von Vallebona-Reitern, die hier auf der Rückkehr von einem 3-Tagesritt Station machten. Gemeinsam bekamen wir eine Schlossführung mit Besichtigung der Keller voller Chianti-Fässer. Im Anschluss an die Führung ging es in den Speisesaal, wo ein toskanisches Buffet angerichtet waren, von dem wir uns bedienen und während dessen noch drei verschiedene Chianti-Sorten probieren durften. Für den Durst gab es aber auch Wasser zu trinken und so stiegen wir nach einer Verdauungspause nur leicht beschwingt wieder aufs Pferd. Wieder auf anderen Wegen als am Vormittag ging es in wieder 2 1/2 Stunden zurück nach Vallebona, teilweise kräftig bergauf, durch Bäche und weglos durchs Unterholz im lockeren Wald – eine tolle Erfahrung! Am Schluss des Tages zeigte mein Höhenmesser, dass wir in den 5 Stunden zu Pferd immerhin fast 1000 Höhenmeter auf- und wieder abgestiegen waren!

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Eine etwas verwackelte Trab-Sequenz auf dem Heimritt vom Castello di Trebbio

Am nächsten Morgen hieß es dann packen und nach dem Frühstück Abschied nehmen. Einerseits freuten wir uns auf die Wanderungen, die vor uns lagen, aber andererseits verließen wir Vallebona auch schweren Herzens – es war eine wunderbare Woche voller Erlebnisse. Vielen Dank an die sehr engagierten Mitarbeiter auf Vallebona, die mit viel Liebe zum Pferd und großer Aufmerksamkeit gegenüber den Gästen für eine so intensives Erlebnis sorgen. Immer noch denke ich mit Wehmut an an “meinen” Hengst “Fiumine”, der im Stall bei der Pflege so unfreundlich und schwierig zu behandeln war – eine Aufgabe, der ich mich voller Respekt stellte. Und außerhalb des Stalls war er so gut zu reiten – ach, Fiumine!

Weiter in die Apuanischen Alpen und ins Trentino…

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