2. Trek nach Thangthanka und Chomalhari-Basecamp Jangothang

Unsere Fahrt ins Talende zum Trekking-Start geht über eine schlechte, holprige Piste mit Baustelle und Stau und dauert lange. Am Ende der befahrbaren Piste stehen bei einem kleinen Dorf auf einer weiten Wiese schon unsere Zelte und 11 kleine Pferde. Wir werden unserer Mannschaft für die nächsten 12 Tage vorgestellt, Pasang, der Koch, noch ein Yeshi als Küchenjunge und Dawa, der Helfer für alles. Und wir bekommen gleich Milch-Tee und Kekse, bevor wir uns in den Zelten installieren. Um 7 Uhr werden wir zum Abendessen gerufen, und danach gehen wir recht bald ins Bett, wir sind hier immerhin schon auf 2.800 Metern Höhe.
Am nächsten Morgen um 6 Uhr 30 ertönt die fröhliche Stimme von ‚Klein Yeshi‘ vor dem Zelt: ‚Morning Tea‘ – was für ein Luxus! Wir schälen uns aus den Schlafsäcken und bekommen dann warmes Waschwasser! Das Wetter ist wie gestern, Wolken und Dunst über den Bergen, kein Blick auf Chomalhari. Nach dem Frühstück wandern wir los, um die Zelte und alles Weitere müssen wir uns nicht kümmern, nur das persönliche Gepäck fertigmachen. Es geht durch Rhododendron-Wald, wir sehen ein paar Blüten, aber es ist nicht sehr viel im Vergleich zu dem, was wir von unseren früheren Nepal- und Sikkim-Trekkings kennen. Wir wandern den Fluß entlang, begegnen vielen Pferde-Karawanen, die teilweise schwer mit Wellblechen beladen sind, wir müssen immer wieder ausweichen.

Wir sind alle entsetzt über die Mengen an Plastik-Flaschen und Aluminium-Tüten, die in der Gegend herumliegen, und diskutieren sowohl untereinander als auch mit unserem Führer darüber. Zuerst meinen wir noch, daß das von den Arbeitern kommt, die hier die Stromleitung gebaut haben – eine unschöne Schneise mit Strommasten, es liegen lauter gefällte Bäume durcheinander. Wenigstens der Fluß ist sauber und bietet einen schönen Anblick, ab und zu überqueren wir ihn auf soliden Brücken, die mit bunten Gebetsfahnen dekoriert sind.
Wir machen Pause am sogenannten ‚Highway-Shop‘, der sicherlich die Quelle all des Mülls ist. Mittags halten wir auf einer Lichtung, wo ‚Klein Yeshi‘ aus seinem großen Rucksack einen Warmhalte-Behälter mit Reis und verschiedenen Gemüsegerichten auspackt und auf einer Tischdecke anrichtet. Nach ausgiebiger Pause führt uns unser Weg weiterhin am Fluß entlang, jetzt steigt es auch mehr an.

Wir begegnen einer Gruppe von Trekkern, die Ihren Chomalhari-Rund-Trek abbrechen mussten, da der Paß auf ihrem Weg noch zu viel Schnee hatte. Unsere Freundin ist beunruhigt – betrifft das auch uns? Nein, Yeshi beruhigt uns, wir gehen über einen anderen Paß, der frei ist. Inzwischen haben uns auch unsere Pferde überholt. Wir kommen an eine Weggabelung (mit Wegweiser!), wo uns Yeshi erklärt, wo die andere Gruppe hergekommen ist, wir biegen links ab. Leider ist in den Wolken kein hoher Berg zu sehen, nur die näheren Berge mit ihren verschneiten Nordseiten, wir befinden uns auf 3.600 Metern, es geht uns allen gut. Nach 9 Stunden erreichen wir das Lager Thangthanka mit einem festen Gebäude, in dem wir essen können, und 2 Toilettenhäuschen, unsere Zelte stehen schon, davor liegt unser Gepäck, und die Pferde sind geparkt. Auch hier gibt es einige Hunde der hiesigen, ruhigen Rasse, von denen uns einer heute begleitet hat. Tee, Siesta, dann Abendessen.

Der Morgen bringt dann den ersehnten Chomalhari-Blick beim Zähneputzen, die Wolken verziehen sich, und später sind wir sogar in den T-Shirts unterwegs. Wir passieren einen Army-Check-Post, kommen an einer Mani-Stein-Mauer vorbei, es geht sich angenehm, eher Strecke als Steigung, immer weiter am Fluß entlang. Wir begegnen Yaks, und auch heute wieder Pferde-Karawanen. Der Müll am Weg ist etwas weniger, dafür sind die Strommasten auf den Hoch-Almen störender.

Wir passieren ein paar Häuser, sehen den ersten Penis (für die Bhutan ja berühmt ist…) und erreichen nach 6,5 Std Wanderung das Chomalhari-Basecamp „Jangothang“, eine riesige Fläche mit einem Gebäude für Küche und zum Essen. In den tiefen Wolken ist der Chomalhari zu erahnen. Wir machen Siesta im Zelt, derweil geht ein Schneeschauer nieder, der die Gegend verzuckert, danach können wir noch einen Foto-Spaziergang unternehmen. Wir treffen ein Dutzend junge Männer im traditionellen Gewand, die sich zum Bogenschießen (dem Nationalsport) versammelt haben – ihre Bögen sind aber High-Tech Compound-Bögen, was für uns etwas irritierend aussieht. Ich würde gerne auch einmal schießen, aber Yeshi wehrt ab – zu gefährlich!


Am nächsten Morgen ist in den Wolken der Chomalhari wieder nur zu erahnen, davor die Ruine eines alten Dzongs auf einem Felsblock, die Stupas mit Gebetsfahnen zur Dekoration – das ist wirklich ein wunderbarer Campingplatz. Heute haben wir „Ruhetag“ und lassen es ruhig angehen, wir machen nur einen Ausflug zu einem See im Seiten-Tal zur Akklimatisation, mit Hundebegleitung. Wahrscheinlich zeigen sich auch deshalb keine Blauschafe, nur ein Murmeltier. Leider ziehen sich die Wolken bald schon wieder zu. Morgens haben wir beide noch den Bergblick genutzt, um auf den naheliegenden Hang mit vielen Gebetsfahnen hinaufzusteigen und ein paar Fotos zu machen. Der Nachmittag vergeht ruhig mit Lesen und Tagebuch schreiben, der Koch nutzt den Ruhetag, um Momos zu machen –hmmm!

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