5. Trek nach Laya, Abstieg und Jeep-Fahrt nach Gaza

Der nächste Morgen bringt den versprochenen Bergblick – was für ein Kontrast, die grünen Bäume rundherum und darüber der makellos weiße, tief-verschneite Tiger-Mountain! Unser Weg führt uns heute idyllisch entlang des Flusses, ab und zu umdrehen für den tollen Blick zurück. Wir nähern uns Laya, was man am vermehrten Müllaufkommen entlang des Weges sieht. Und der Ort empfängt uns mit seiner Müllhalde, unterhalb des Weges ist der ganz Hang übersät mit den Resten der Konsumgesellschaft. Aber der Ort liegt wirklich malerisch auf einer weiten Schulter, viele schöne Häuser, in einem davon werden wir einquartiert. Wir beide entscheiden uns allerdings für das Zelt auf der großen leere Wiese hinter dem Haus, es ist nicht kalt und der uns angebotene Raum im Haus ist relativ duster. Wir nutzen gleich die Wasserpumpe zum ausgiebigen Waschen, solange die Sonne scheint. Unsere Freundin macht zuerst Siesta, die lange Tour gestern über den höchsten Paß steckt ihr noch in der Knochen, und als sie zum Waschen kommt, ist die Sonne weg und es ist zu kalt.
Wir machen einen ausführlichen Bummel durch das im Reiseführer ausgiebig gepriesene Dorf, machen viele Fotos und wissen nun ja, woher das Geld für die prachtvollen Häuser kommt. Außerdem ist Laya berühmt für die Hütchen seiner Bewohnerinnen, die sie auch stolz tragen und uns zum Kauf anbieten, für einen absolut illusorischen Preis – man kann’s ja mal versuchen…. Heute gibt es ein üppiges Festmahl mit vielen verschiedenen Gerichten, denn heute hatte die Mannschaft mehr Zeit zur Zubereitung.
Den anschließenden Ruhetag nutzen wir beide, um mit Dawa eine kleine Wanderung oberhalb des Dorfes zu machen, unsere Freundin geht derweil auf Foto-Jagd durchs Dorf. Wir beobachten eine Gruppe von Frauen (!!!), die einen großen Acker mit Hacken für die Kartoffel-Pflanzung (auf 3.800 Metern Höhe) vorbereiten, Knochenarbeit.

Ein Großvater hütet derweil ein Kleinkind. Die Damen haben alle die neckischen Hütchen auf. Zum Abendessen gibt’s Momos, Jo liebt sie.


Der nächste Tag bringt nur noch Abstieg, erst steil vom Dorf ins Tal hinunter, dann immer am Fluß entlang. Hier kommen uns viele, viele vollbeladene Pferdkarawanen entgegen, der ganze Hausstand ist dabei, Bolleröfen und Säcke voller Reis, und junge Männer tragen große Kartons, in denen halbautomatische kleine Waschmaschinen zu Berge getragen werden, der letzte Schrei, Strommasten sei Dank. Yeshi erklärt uns, das die Einheimischen den Winter unten im Tal bei Punakha verbringen und jetzt im Frühjahr wieder nach Laya kommen, von wo sie dann für den Sommer mit den Tieren auf die höher gelegenen Almen ziehen.

Unter den Menschen in den traditionellen Gewändern gibt es auch schon die Jungen in Jeans und schrillbunten modernen Klamotten, die Mädels nicht mehr mit den Hütchen, sondern dem Handy am Ohr. Wir machen Mittagspause auf einer idyllischen Wiese am Fluß, Yeshi wollte eigentlich hier Lager machen, aber der Pferdeführer ist schon weiter ein Stück flußabwärts. Wir genießen den Platz, hier wird die Wiese grün, es wächst Bambus und Rhododendron. Unser

letzter Lagerplatz ist leider nicht ganz so idyllisch, dafür ist der morgige Weg kürzer, unser letzter Trekkingtag. Abends machen unsere Jungs ein großes Lagerfeuer, es liegt genug Holz rum, richtig romantisch.


Heute ist unser letzter Trekkingtag, wir sehen wieder viele Pferdekarawanen bergaufziehen und bewundern die Trittsicherheit der kleinen, schwer beladenen Pferde.

Wir kommen zum Ende der neuen in die Landschaft gerissenen Fahrpiste, ein großer lauter Bagger, eine Sprengung wird vorbereitet. Der ursprüngliche Pfad ist verloren, der lt. Reise-Ausschreibung vorgesehene Weg über einen Paß nach Gaza ist nicht mehr möglich. Wir müssen durch die zerstörte Landschaft im Matsch in der tiefen Fahrspuren gehen, es ist frustrierend, hässlich und mühsam. Endlich sehen wird einen wartenden Geländewagen, es ist unser Abhol-Service! Die Lasten werden auf Dach geladen, dann zwängen sich zuerst unsere Mannschaft, noch ein lokaler Mitfahrer, dann wir uns in den Wagen, und auf geht die abenteuerliche Fahrt auf der in den Steilhang gebauten, schlechten Piste bergab.

Nach einer reichlichen Stunde erreichen wir Gaza Dzong, für dessen Besichtigung sich Yeshi wieder aus dem Trekking-Outfit in den traditionellen Gho umzieht, nur die Bergschuhe hat er noch nicht getauscht, sieht lustig aus. Der Dzong hat hohe Mauern, drinnen ist alles Baustelle, Sandhaufen und Wellblech liegen herum. Yeshi ist begeistert, denn wir dürfen die selten gezeigte Reliquie sehen – das Lieblings-Schaf des Schabdrung (verehrter Staatsgründer von Bhutan)… Ansonsten begeistert uns dieser Dzong nicht so sehr, innen schaut es aus wie alle anderen Dzongs, erst von weitem beim Abstieg zeigt er sich in malerischer Lage vor den eindrucksvollen Bergen.
Wir wandern durch Felder und Obstplantagen abwärts zu unserem letzten Lager in der Nähe der berühmten heißen Quellen, der Campingplatz ist charmefrei. Nach Vorbereitung der Abschieds-Geschenke für unsere Trekking-Mannschaft gehen wir zu den heißen Quellen, wo wir über die Menschenmengen staunen – richtig was los hier.
Zum letzten Abendessen bekommen wir von unserem Koch sogar einen Kuchen, der leider etwas trocken geraten ist – der gute Wille zählt.

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