9.Tag – Glymur, Pingvallavatn

Island Route 9

Am nächsten Tag geht am Ende des Fjords noch eine Stichstraße Richtung Glymur-Wasserfall, unser Camper scheitert an einer kurzen vereisten Steigung, d.h. vorsichtig zurückrollen und parken – wir wollten sowieso hier etwas wandern. Den Wasserfall erreichen wir nicht ganz, der Weg ist steil und vereist, aber wir haben einen schönen Blick auf seinen Auslauf, tief eingeschnitten in eindrucksvollen Bergen, die zum Wandern einladen – im Sommer. Momentan zeigen die Schneefahnen an den Gipfeln und Graten, dass es dort sehr ungemütlich ist.

Wir informieren uns wieder im Internet über den Straßenzustand, wir wollen auf einer Nebenstraße nach Pingvellir, einer der Haupt-Sehenswürdigkeiten rund um Reykjavik. Der Straßenzustand sagt „etwas Glätte möglich“ – das hatten wir jetzt schon öfters, also los, wir haben ja Spikes. Die Straße ist geräumt, aber immer öfter hat der Wind dicke Schneeverwehungen über die Straße geblasen. Johannes fährt mit Schwung durch, der Schnee staubt um uns herum, dann sind wir durch. Je höher die Straße ansteigt, desto einsamer, weiter und eindrucksvoller wird die Landschaft wieder. Aber auch die Schneeverwehungen werden tiefer und länger. Wir hoffen, bald die Einmündung zur nächsten Straße zu erreichen, nochmals eine Schneewehe – aber diesmal ist sie zu tief und zu lang, es tut einen Ruck, und wir sitzen fest, rechts am Straßenrand. Johannes zieht sich an, holt die Schaufel aus dem Kofferraum und macht sich an die Arbeit – eine Dreiviertelstunde lang schaufelt er im eisigen Wind und Triebschnee, sein Bart ist schon vereist. Ich kann nix helfen, es gibt nur eine Schaufel. Dann versucht er, loszufahren – es rührt sich nix. Weiteres Schaufeln im pfeifenden Wind, aber kein Erfolg. Inzwischen sind andere Pkw angekommen, haben sich festgefahren, freigeschaufelt oder umgekehrt und sind wieder verschwunden. Wir rufen nun die 112 an, beschreiben, wo wir feststecken und warten auf Hilfe. Ein freundlicher Isländer mit einem kleinen älteren Toyota-Pickup will uns anziehen, befestigt das Seil, aber das reißt gleich, dieses Fahrzeug ist viel zu leicht, um unseren 3,5Tonner zu bewegen, der wie betoniert auf dem komprimierten Schnee sitzt. Nachdem wir schon 2 Stunden gewartet haben, ruft Johannes nochmals die 112 an – ja, Hilfe sei unterwegs, wir sollen ausharren. Eine weitere Stunde später sehen wir in der Ferne einen riesigen Traktor mit Schneefräse ankommen. Er erreicht uns eine halbe Stunde später, fängt an, den Schnee um uns herum wegzufräsen, dann steht er tatenlos rum. Johannes fragt ihn, was denn nun sei – es käme ein anderes Fahrzeug, das das Abschleppseil bringt – ich fasse es nicht. Da hat dieser riesige Traktor kein Abschleppseil dabei – und in unserem Camper ist natürlich auch keins. Wir warten eine weitere dreiviertel Stunde, dann kommt ein Toyota-Pickup mit dem Seil. Der Toyota ist natürlich auch zu schwach, um uns rauszuziehen. Der Traktor hat inzwischen die Straße weiter geräumt und muss erst wieder zu uns zurückkommen. Jetzt wird das Seil am Traktor befestigt und er zieht den Camper vorne an – ein Ruck geht durch den Camper, sonst passiert aber nix. Nochmals und nochmals – dann Kriegsrat, so geht es nicht, die am Camper vorn eingeschraubte Abschleppöse ist zu flexibel. Der Traktor fährt hinter uns, fräst dort noch weiter frei und zieht dann hinten an der fest montierten Abschleppöse an – mehrere Versuche, dann endlich bewegt sich was! Schließlich stehen wir wieder frei auf der Straße, Johannes lässt (mit Starthilfekabel, die lange Wartezeit in der Kälte hat die Batterie geschwächt…) den Motor an und wir bewegen uns wieder selber – was für ein Gefühl!!! Die ganze Aktion hat uns etwa fünf Stunden gekostet…
Schon in der Dämmerung erreichen wir den See Pingvallavatn und stellen uns auf einen Picknickplatz mit wundervollem Blick über den zugefrorenen See im Mondlicht – ein Traum. Dann stellen wir fest, dass wir kein Wasser mehr haben – es gibt ein Sicherheitssystem im Camper, der das Wasser abläßt, wenn es droht einzufrieren – wahrscheinlich wurde es zu kalt, als wir mehrere Stunden ohne viel Heizung auf der Schneewehe aufsaßen. Was tun? Der Campingplatz in Pingvellir hat noch zu, Tankstelle gibt’s da auch keine – und ich wollte doch unsere letzten Nudeln kochen und Tee, wir brauchen jetzt was Warmes. Da fällt mir ein, das habe ich doch oft genug in den Abenteurer-Büchern gelesen – Schnee schmelzen – Schnee gibt’s genug! Johannes schaut noch ein bißchen ungläubig, aber dann holt er 2 Schüsseln voll, hoffentlich haben wir noch genug Gas… Bei heißem Tee und Nudeln mit Tomatensoße und Käse fällt dann später die ganze Anspannung von uns ab. Das ist ja nochmal gut gegangen, wir waren nicht in Zeitdruck, auch wenn wir morgen dann nicht mehr bis zum Laugarvatn kommen. Der Mond legt silbernes Licht über den See, was ist es romantisch, so im geheizten Camper….

2015 - Island 9

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