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Schneeschuhe

Wir benutzen seit vielen Jahren Schneeschuhe und sind begeistert von diesem Sport. Wir machen in jeder Saison 25-30 Touren, vorwiegend in den bayerischen und österreichischen Alpen. Wir folgen dabei oft den einfachen und mittelschweren Tourenvorschlägen aus der Skitouren-Literatur und machen dabei im Aufstieg oft ca. 1000 Höhenmeter in etwa 3 Stunden. Die üblichen Schneeschuh-Touren aus den spezialisierten Führern sind im allgemeinen zu kurz mit zu wenig Höhenmetern und haben für uns daher wenig Reiz.

Lesachtal, Osttirol

Im Laufe der Zeit haben wir mit zunehmender Erfahrung mehrere Schneeschuh-Modelle benutzt, über die ich in diesem Artikel berichten will.
(Einen Überblick über die aktuell angebotenen Modelle findet man übrigens hier, beim Händler meines Vertrauens.)

Historie:

Zuerst verwendeten wir von TUBBS ein Modell, das keine frei schwingende Achse hat, sondern eine Art Band, an dem die Bindung befestigt ist. Eigentlich eine stabile und günstige Lösung, die aber den Nachteil hat, dass man durch das hoch-schwingende Heck des Schneeschuhs sich Schnee an den Hintern wirft und eine nasse Hose bekommt – lästig.

Anschließend benutzten wir von TUBBS ein Modell mit frei schwingender Stahl-Achse – schon eine deutliche Verbesserung und wir haben viele Touren damit gemacht. Allerdings waren wir im anspruchsvolleren alpinen Gelände nicht so zufrieden – weder mit dem “Grip” der Harscheisen noch mit der Stand-Stabilität bei Querungen. Dazu kam das Problem, dass die Bindung am Ende der Tour kaum zu öffnen war, wenn die Riemen und Verschlüsse vereist und auch die Finger kalt sind.

Aktuell:

Seit 2004 haben wir vom Hersteller “MSR” das Modell “Lightning Ascent”, dessen Konstruktion uns sehr überzeugt hat: Der ganze Rahmen des Schneeschuhs ist als Harscheisen konstruiert und man hat einen wirklich unglaublichen “Grip”. Die frei schwingende Achse der Bindung sieht auf ersten Blick etwas anfällig aus, hat uns aber nie im Stich gelassen. Die Steighilfe hat sich bei steilen Aufstiegen auch schon oft bewährt. Dazu kommt die geniale Bindung, die das Ein- und Aussteigen sehr leicht macht, selbst wenn alles vereist ist.

Soweit so gut – eigentlich sind wir sehr zufrieden mit diesen Schneeschuhen und kennen derzeit keine gute Alternative für unseren intensiven Einsatz im alpinen Gelände.

Aber:
In den letzten Jahren haben wir – leider! – immer wieder Material-Brüche erleben müssen. Zum einen hat sich die Deckplane an der Ferse durchgetreten, verursacht durch hohen punktuellen Druck, der unvermeidbar auftritt, wenn sich Schneestollen an der Ferse bilden. Viel schlimmer aber waren die Defekte der Bindung, bei denen die Nieten zur Bodenplatte gebrochen und/oder die Metallplatte der Bindung selbst durchgebrochen war. Zuletzt ist es sogar passiert, dass am Schneeschuh-Rahmen die Aufhängung gebrochen ist, an der die Bindungsachse befestigt ist. Merke: die Achse selbst ist noch nie gebrochen!

Alle Defekte wurden bisher kostenlos ausgetauscht oder repariert und vom Händler “Bergzeit” erhielt ich für die Zeit der Reklamation kostenlos ein Paar desselben Schneeschuh-Typs geliehen.

Was mir zu denken gibt ist die Tatsache, dass wir bisher noch Glück hatten mit diesen Defekten, weil sie immer auftraten kurz bevor wir am Ende der Tour waren. Dadurch war es bisher nur (na ja…) nötig, sich jeweils für ca. 45 Minuten zu Fuß durch den Schnee zu kämpfen. Ich mag gar nicht daran denken, wenn ein solcher Bruch der Bindung in der Einsamkeit des Tourengeländes auftritt – meines Erachtens kann daraus ein Fall für die Bergrettung werden!

Fazit:

Der “Lightning Ascent” ist nach wie vor das beste Modell für unsere Touren, aber mein Vertrauen in das Material ist stark erschüttert und ich muss mir leider angewöhnen, die Schneeschuhe vor bzw. nach jeder Tour auf Anzeichen technischer Mängel zu überprüfen, um einen Ausfall in der Einsamkeit zu vermeiden – sehr ärgerlich! Ich hoffe sehr, dass der Hersteller sich entschließt, die an sich sehr gute Konstruktion im Hinblick auf größere Robustheit zu überarbeiten.

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  1. 14. März 2010 um 14:59

    Ich arbeite u.a. für die beschriebene Marke MSR und lese mit Interesse derartige Erfahrungsberichte. Wir haben in den letzten Jahren von allen Seiten (Anwender, Händler, Medien) nahezu ausschließlich begeisterte Rückmeldungen betr. der Praxistauglichkeit des MSR Lightning Ascent erhalten. Allerdings waren auch einige Berichte dabei, in denen die beiden oben genannte Probleme beschrieben wurden. Ich kann aus meiner Sicht bestätigen, daß diese beiden Phänomene auftreten können (nicht zwangsweise müssen), jedoch AUSSCHLIESSLICH bei der ersten Generation des Lightning Ascent, der vor 3-4 Jahren produziert wurde. Man erkennt ihn an den 2 Ristriemen und dem Fersenschlitz im Deck (Gen. 3: 3 Ristriemen)

    Ursachen:
    1. Das Deck besteht aus einem extrem leichten, aber dennoch sehr robusten Material. An der Ferse, wo die Metall-Querstrebe den Rahmen stablilisiert, wurde bei der ersten Generation das Deck mit einer Aussparung versehen, so daß die etwas erhöhte und leicht gezackte Metallquerstrebe sich nicht im Lauf der Zeit durch das Deck durch drücken konnte. Konstruktiv war es so gelöst, daß man mit der Ferse direkt auf der Metallstrebe steht und das Deck somit verschleißfrei bleibt. Dies hat aber dazu geführt, daß die Aussparung einreißen konnte und sich der Schlitz damit etwas vergrößert, was optisch störend ist und grundsätzlich auch weiter reißen kann. Seit dem Winter 2008/2009 wurde die Konstruktion des Lightning so geändert, daß die Fersenstrebe nicht mehr erhöht und gezackt ist, sondern bündig zum Deck und eben. Sie schaut nicht mehr durch das Deck durch, und das Deckmaterial wurde an der Fersenpartie zusätzlich verstärkt. Bei den „Generation 2“-Modellen tritt dieser Deckverschleiß daher konstruktiv bedingt nicht mehr auf.

    2.: Materialbruch des Rahmens unter der Bindung bzw. der Bindung selbst: Auch dieser Teil wurde bei der Generation 2 größer dimensioniert, seitdem sind die Brüche beseitigt. MSR hat erkannt hat, daß beim Zusammenspiel mit Kälte auf unebenem Untergrund (Geröll, zugeschneites Holz etc.) Material-Ermüdungsbrüche vorkommen können (nicht müssen!). Selbstverständlich wäre auch dieses Problem ein berechtigter Garantiefall. Abwicklung über den Händler, bei dem die Schneeschuhe gekauft wurden.

    Fazit: MSR Lightning Ascent (und Evo Ascent) gelten nach wie vor als sehr bewährte und äußerst funktionelle Schneeschuhe für alpines Gelände. Kein anderer Hersteller ist von der Fachpresse so oft ausgezeichnet worden für seine Schneeschuhe wie MSR. Seit ca. 2 Jahren können die o.g. Probleme nahezu vollständig ausgeschlossen werden. Es ist halt so wie überall: Trotz massiver Tests vor Markteinführung (ca. 200 verschiedene Prototypen) sind durch breite Erfahrungswerte im Serienprodukt noch weitere Verbesserungen möglich. Im VW Golf VI steckt auch mehr Erfahrung als im ersten Golf. MSR gibt auf seine Schneeschuhe eine lebenslange Garantie auf Material und Verarbeitung. Dies gilt für den privaten (nichtgewerblichen) Einsatz, für den Erstkäufer und unter Ausnahme von natürlichem Verschleiß. Bei Auftreten des o.g. Phänomens wird der Schneeschuh kostenlos umgebaut auf die neue Konstruktion. Wer den aktuellen Lightnings trotzdem nicht traut, kann beruhigt auch das Kunststoff-Modell Evo Ascent verwenden, mit dem man ins gleiche Gelände gehen kann wie mit dem Lightning Ascent.

    • 14. März 2010 um 19:36

      Danke für die ausführliche Antwort, Bernhard!
      Wie Du meinem Artikel sicherlich entnommen hast, bin ich ja auch eigentlich ein begeisterter MSR-Nutzer. Eben diese Begeisterung motiviert mich dazu beizutragen, dass die vorhandenen Mängel bekannt und – wenn möglich – behoben werden. Deinem Kommentar entnehme ich, dass MSR da schon gut unterwegs ist.

      Ich habe derzeit ein Modell der „Generation 2“ als Leihgerät (während mein eigenes Generation-1-Modell bei MSR zur Reparatur/Reklamation ist, wie beschrieben).
      Bei diesem Generation-2-Modell habe ich natürlich die andere Konstruktion von Bindungsriemen, Fersenstrebe und Deck bemerkt und kann nach ein paar Touren auch dazu meine Erfahrung mitteilen:

      Die aufgeklebte Verstärkung des Decks im Fersenbereich wird auch nicht ewig halten. Bei meinem Leihgerät wölbt sich die aufgeklebte Fläche ab und es bildet sich ein Eiswulst.
      Schwerwiegender ist, dass bei dieser Konstruktion die Ferse nicht mehr durch den gezackten Steg fixiert wird. Dies ist bei Querungen mit Schräglage sehr lästig, führt dazu, dass die Bindung noch mehr durch Verdrehung belastet wird und der Stand im Schneeschuh wird trotz stramm angezogener Riemen „schwammig“. Trotz der nunmehr drei Bindungsriemen über den Wrist ist es in solchen Fällen nötig, zuweilen die Bindung zu öffnen und den Fuß neu im Schneeschuh auszurichten. Wenn man das nicht tut, steht man schief drin und die Fuß-Abrollbewegung passt nicht mehr zur Achse des Schneeschuhs.

      Meines Erachtens sollte einerseits ruhig wie bisher der gezackte Steg durch das Deck ragen und damit die Ferse fixieren. Um die anderen Probleme zu lösen, könnte ich mir vorstellen, das dieser Steg im Bereich unter dem Deck entweder verdickt oder sogar T-förmig ausgebildet wird. Das sollte eine Verletzng des Decks durch Druck des Stiefels verhindern.

      Ob die Generation-2-Bindung robuster ist, kann ich nach den wenigen Touren damit noch nicht bestätigen. Im Vergleich mit dem Generation-1-Modell meiner Frau fällt auf jeden Fall auf, dass der obere Kunststoff-Teil, in dem der Stiefel fixiert wird, stabiler wirkt – nicht nur durch die nun drei Riemen, die über den Stiefel gehen. Beim genauen Hinsehen scheint mir auch, dass die Metall-Bodenplatte der Bindung etwas stärker ist. Genau dieses Teil war uns ja mehrfach gebrochen und stärkeres Material gibt Anlass zur Hoffnung 🙂

      Herzliche Grüße,
      Jo

      PS: Bin soeben von einer Tour am Daniel bei Lehrmoss zurückgekommen – absolut einsam mit traumhaften Blicken auf wolkenverhandene Zugspitze und Wetterstein.

      • 15. März 2010 um 13:46

        Hallo Jo, ich kann die in Deiner Antwort genannten Bedenken/Erfahrungen NICHT aus der Praxis bestätigen:
        1. Verstärktes (verschweißtes, gedoppeltes) Deck: Diese Lösung ist nun seit fast 2 Saisons auf dem Markt und mir ist kein einziger Defekt mehr bekannt. Es scheint tadellos zu funktionieren. Auch unsere eigenen Testschuhe zeigen keine Anzeichen von Schwäche, obwohl sie hart her genommen werden. Die Beobachtung, daß sich das Deck etwas wölbt und sich etwas Eis ansetzt, wirkt sich nicht nachteilig aus – es verhält sich neutral. Eine Ablösung des Materials aufgrund der beschriebenen Deckwölbung ist lt. meiner Beobachtung ebenfalls noch nie aufgetreten.
        2. Gezackter Fersensteg: Der Fersensteg bei Generation 1 war zwar gezackt, aber die Ferse wurde nicht wirklich fixiert, schon gar nicht seitlich. Ich habe den Lightning schon sehr oft benutzt und konnte absolut keinen Unterschied feststellen bei Gen. 2 im seitl. Halt zum Vorgängermodell Gen. 1. Die Führung ist gleich gut und erfolgt ausschließlich durch die Bindung. Es liegt in der Natur der Sache, daß bei steilen Querungen auf hartem Untergrund das gesamte Körpergewicht nach unten zieht, was die Schneeschuhe extrem seitl. belastet. Hier unterscheiden sich die Tophersteller von den „normalen“ in der Tauglichkeit. Ich mußte noch nie meinen Schneeschuh nach Querungen etc. neu justieren, hatte immer einen guten Sitz in der Bindung. Daß man nicht millimetergenau gleich in beiden Bindungen steht, ist unvermeidlich und unerheblich – Hauptsache einigermaßen parallel zum Schuh und mit den Ballen über dem Drehpunkt der Bindung. Stabile Bergschuhe verhalten sich dabei besser als zu weiche Wanderschuhe.
        3. Korrekt: Die Bindungsplatte und der Rahmen sind bei Gen. 2 verstärkt, die Anzahl der Brüche hat sich dadurch um mind. 90% reduziert.

        100% Sicherheit gibt es leider nirgends. Vorkommen kann trotzdem noch was, aber es ist für uns entscheidend, daß nach menschlichem Ermessen und techn. Wissensstand das Risiko inzwischen nahezu Null ist. MSR ist nur zufrieden, wenn sein Material nicht nur leicht und innovativ, sondern auch besonders zuverlässig ist.
        Ich hoffe, daß Ihr bald meine Beobachtungen bestätigen könnt und wünsche Euch weiterhin eine gute Fernsicht.

      • 15. März 2010 um 14:01

        Ich bleibe dabei, dass die vorige Stegkonstruktion besseren Stand bietet als die jetzige, wo man nur auf der Platte steht. Ist doch klar, dass die Vibram-Sohle stabiler auf dem gezackten Steg steht als auf der flachen Planenverstärkung, die durch Schnee auch noch rutschig wird.

        Sei’s drum, ich denke es ist nun alles diskutiert.

        Vielen Dank für Deine Kommenatare! Jo

  2. Jo
    9. April 2010 um 08:22
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